Streiten

Doria, 23

Wie diskutiere ich richtig?

Doria (23) hat mit Tamara (15) über das Thema Diskussionskultur gesprochen. Was, wenn ich zu einem Thema nicht weiter weiß oder wenn aus einer Diskussion ein Streit wird? Tamara ist Mitglied im Debattierclub ihrer Schule und hat auch an dem Wettbewerb „Jugend debattiert“ teilgenommen – sie ist Expertin. Wie führe ich eine gute Diskussion und worauf sollte ich achten? Setz dir einfach deine Kopfhörer auf und klicke dich durch die Audios.

Findest du, dass die Politik ein gutes Beispiel dafür ist, richtig zu diskutieren?“

„Ich finde nicht wirklich. Vor allem Politiker:innen-Debatten oder auch Reden von Politiker:innen sind oft relativ ungehalten und sie sind gleichzeitig überzeugt von einer Sache.“

Wie sorge ich dafür, dass man mir in einer Diskussion zuhört?“

„Es ist immer wichtig, dass man auf einer persönlichen und emotionalen Ebene diskutiert.“

Was mache ich, wenn jemand mit mir eine Diskussion führen möchte?“

„Hier ist das Wichtigste, nicht direkt abzublocken.“

Was mache ich, wenn ich merke, dass eine Diskussion zu hitzig wird?“

„Es bringt nichts, wenn eine Diskussion oder Debatte ausschließlich auf persönlicher Ebene stattfindet.“

Was sagst du zur Debattenkultur im Internet?“

„Ich finde die Diskussions- und Debattenkultur im Internet leider ganz schlimm. (…) Streits über Messenger zu lösen, ist keine gute Idee.“

Hast du Tipps, um mit Beurteilungsangst umgehen zu können?“

„Ich finde, wenn man merkt, dass in einer Situation gerade etwas falsch ist, sollte man das auf jeden Fall ansprechen.“

Wie sieht eine gute Körperhaltung in einer Diskussion aus?“

„Auf jeden Fall ein gerader Rücken, sich aufrichten, die Brust raus.“

Kann man diskutieren lernen und wenn ja, wie fängt man am besten an?“

„Ich würde hier natürlich sagen, dass die Teilnahme an „Jugend debattiert“ oder an anderen Debattier-AGs, die an der Schule angeboten werden, sehr hilfreich sind.“

Tamara hat an dem Wettbewerb „Jugend debattiert“ teilgenommen. Mit eurer Schule könnt ihr dort ab Klasse 5 teilnehmen und lernen, wie ihr gut zuhören, Fragen stellen und streiten könnt. Damit könnt ihr an Wettbewerben auf Landes- und Bundesebene teilnehmen. Inzwischen gibt es das Programm in mehr als 35 Ländern weltweit.

Doria: Hallo liebe Leute! Heute werden wir diskutierten, und zwar über die Diskussionskultur. Ich werde Tamara heute einige Fragen stellen, um herauszufinden, wie ich eigentlich richtig diskutiere. Hallo Tamara, du bist ja Expertin in der Sache. Wie ist es dazu gekommen, dass du so gut kontern kannst?

Tamara: Ich habe mich Anfang vergangenen Schuljahres bei der Debattier-AG an unserer Schule angemeldet und habe dann gleich an den Jugend debattiert Wettbewerben teilgenommen und dann dort durch die ganzen Wettbewerbsdebatten und die Siegerseminare, die wir dort hatten, sehr viel dazugelernt diesbezüglich.

Findest du, dass die Politik ein gutes Beispiel dafür ist, richtig zu diskutieren?

Doria: Wenn ich an diskutieren denke, dann muss ich gleich an Politiker*innen Debatten denken. Die machen das ja eigentlich professionell und scheinen irgendwie in jedem Moment zu wissen, was man sagen soll, auch wenn es stressig wird. Sowas fällt mir persönlich immer im Nachhinein ein. Aber findest du eigentlich, dass die Politik ein gutes Beispiel ist, richtig zu diskutieren?

Tamara: Also, ich finde nicht wirklich, denn was vor allem sehr auffällig ist bei Politiker Debatten oder auch Politiker Reden, dass die immer relativ ungehalten und gleichzeitig überzeugt von einer Sache sprechen und das hat natürlich bei den Wähler*innen dann den Effekt der Überzeugung und auch der Ahnung von dem Thema. Aber es geht relativ selten um tatsächliche Kausalketten, sondern viel mehr um rhetorisches Geschick. Also sehr viele lange verschachtelte Sätze, Wortneuschöpfungen, übermäßige Übertreibungen oder einfach nur das Runtermachen von anderen Parteien und die Politiker*innen wissen natürlich trotzdem ganz genau, dass Worte auch Gefühle auslösen können. Und ich finde ja vor allem die Debattenkultur respektlos. Es wird sich viel reingeredet, wenn man sich mal Interviews anguckt oder auch die Bundestagsreden, wo ja teilweise im Hintergrund ganz andere Dinge passieren und den Politiker*innen gar nicht richtig zugehört wird und vieles leider auf einer sehr persönlichen Ebene passiert und einfach nur aus Prinzipien alle dagegen sind. Ich würde mir da bisschen mehr Respekt auch innerhalb der Politik wünschen und dass mehr Anstand innerhalb der Gesprächskultur herrscht.

„Wie sorge ich dafür, dass man mir in einer Diskussion zuhört?“

­­­­­­­­­­­­­­­­Doria: Ich bin zwar keine Politiker*in, aber es gibt natürlich trotzdem Konflikte in meinem Alltag, die ich selber lösen möchte. Wenn ich etwas anspreche, was mich bewegt, habe ich oft die Sorge nicht ernstgenommen zu werden. Wie sorge ich dafür, dass man mir in einer Diskussion zuhört?

Tamara: Das hängt natürlich immer von deinem Gegenüber ab. Aber es ist immer wichtig, dass man auf einer persönlichen und emotionalen Ebene diskutiert. Natürlich auch ohne beleidigend zu werden, sich auch nicht einschüchtern zu lassen. Wichtig ist vor allem die Körperhaltung. Man sollte Offenheit zeigen, Selbstbewusstsein zeigen und man sollte sich nicht aufgrund seines Alters, seines Geschlechts oder seiner Betroffenheit bezüglich des Themas eingeschüchtert fühlen. Gleichzeitig natürlich auch nicht allmächtig wirken. Auch auf das Gegenüber eingehen und nicht nur alles negieren. Verständnis zeigen und gleichzeitig die eigene Meinung begründen, denn am Ende sind Argumente auch nur die Verbindung von begründungsbedürftigen Behauptungen. Dabei ist es vor allem wichtig, die andere Person ausreden zu lassen, auch dort Verständnis zu zeigen. Gleichzeitig sich aber für die eigene Meinung einzusetzen.

„Was mache ich, wenn jemand mit mir eine Diskussion führen möchte?“

Doria: Und jetzt mal andersherum gefragt: Wenn jemand mit mir eine Diskussion anfängt, wie gehe ich damit am Besten um? Hast du da auch ein paar Tipps für mich?

Tamara: Hier ist vor allem das Wichtigste, nicht direkt abzublocken. Man braucht als Gegenüber, also wenn jemand mit dir eine Diskussion anfängt, möchte man ja immer das Gefühl haben gehört zu werden, das ist ja immer ganz Wichtig. Und wenn man in diesem Moment gerade keine Lust hat, eine Diskussion oder eine Debatte zu führen, dann kann man ja einfach vorschlagen, später noch einmal darüber zu reden. Es ist auch hier vollkommen okay, seine Unwissenheit zu gestehen oder zu sagen, ich muss mich hier erstmal informieren und mir erstmal eine eigene Meinung bilden bevor ich mit dir darüber reden kann. Wenn man dann natürlich aber eingeht auf die Diskussion ist es auch wichtig Dinge zu hinterfragen, auch hier wieder auf Gefühle einzugehen und selbstbewusst die eigene Partei zu vertreten.

„Was mache ich, wenn ich merke, dass eine Diskussion zu hitzig wird?“

­­­­­­­­­­­­­­­­­Doria: Oft wird so eine Diskussion vielleicht zum Streit. Ich glaube das passiert einfach dann, wenn man zu emotional getroffen ist oder einfach starke Meinungsunterschiede hat. Was mache ich, wenn ich merke, dass eine Diskussion zu hitzig wird?

Tamara: Hier ist es am Besten einfach abzubrechen. Es bringt nichts, wenn eine Diskussion oder Debatte ausschließlich auf persönlicher Ebene stattfindet. Man sollte nicht über Alltagsprobleme oder persönliche Probleme mit einer Person sprechen, sondern über das Thema. Und auch hier schon wie in der vorherigen Frage nicht direkt abblocken. Man sollte lieber akzeptieren, dass es Meinungsunterschiede gibt und wenn man an einem bestimmten Punkt merkt, es geht einfach nicht mehr weiter, weil sich das Gegenüber oder man selbst sich zu angegriffen fühlt, dann sollte man Verständnis zeigen und in dem Moment einfach die Diskussion abbrechen. Und vor allem auch hier förderlich ist es, während der Diskussion viel eher Bitten zu äußern anstatt zu fordern und auch hier wieder Verständnis für die Gefühle der anderen Partei zeigen.

„Was sagst du zur Debattenkultur im Internet?“

Doria: Was mir in letzter Zeit auch aufgefallen ist, ist allgemein diese Debattenkultur im Internet. Wenn eine Person zum Beispiel eine*n Influencer*in etwas sagt, was nicht richtig ist, wird die Person oft ziemlich fertig gemacht und im schlimmsten Fall verbannt. Das kann Karrieren aber auch Freundschaften zerstören. Wie findest du das?

Tamara: Ich finde die Diskussions- und Debattenkultur im Internet leider ganz schlimm. Was viele dabei leider vergessen ist, dass das Internet und Social Media-Plattformen und auch andere Chatforen kein rechtsfreier Raum sind. Ja es herrscht die Meinungsfreiheit, aber diese Meinungsfreiheit darf man nur äußern, solange man die Freiheit anderer Leute nicht einschränkt und das ist ganz wichtig. Viele Leute fühlen sich durch ihre Anonymität geschützt und denken es ist auf einmal alles möglich. Das größte Problem hierbei ist, dass du keine echte Person dir gegenüber hast. Du kannst Mimik und Gestik nicht interpretieren und häufig fehlen auch einfach die echten Argumente. Sondern es wird einfach in s Blaue hinein beleidigt. Auch hier ein Tipp: es ist nie sinnvoll einen Streit über Messenger zu lösen, weil du Gefühle dabei gar nicht richtig aufnehmen kannst. Häufig ein Problem im Internet ist auch, dass man sich in Bubbles befindet. Dadurch passiert es häufig, dass die verschiedenen Parteien die verschiedenen Argumente gar nicht richtig austauschen können, weil sich dann häufig riesige Meinungsgruppen bilden, die alle auf eine Person schießen und gar kein richtiger Diskurs zustande kommen kann.

„Hast du Tipps, um mit Beurteilungsangst umgehen zu können?“

Doria: Ich finde das Phänomen wichtig, weil sich einige Leute im Alltag auch deswegen eher zurückhalten aus der Angst etwas Falsches zu sagen vor allem, wenn es sich um wichtige und aktuelle Themen handelt. Sie halten sich ja dann eher komplett raus. Hast du Tipps, um mit solcher Beurteilungsangst umzugehen?

Tamara: Generell ist es nicht hilfreich, Missstände zu ignorieren. Ich finde, wenn man merkt, dass in einer Situation gerade etwas falsch ist, sollte man das auf jeden Fall ansprechen. Dabei ist es aber vor allem wichtig, dass man mit Sachwissen beitragen kann. Es bringt nichts eine Diskussion zu beginnen, ohne darüber Bescheid zu wissen. Wenn man sich zu alleine fühlt oder wenn man Angst hat seine Meinung vor einer großen Gruppe alleine zu äußern, kann es häufig auch helfen sich Verbündete zu suchen oder auf jeden Fall auch ein selbstbewusstes Auftreten an den Tag zu legen, denn Körpersprache ist so unheimlich wichtig beim Argumentieren und dann mit einem souveränen Auftreten seine Argumente logisch zu erklären, zu verknüpfen und Schlussfolgerungen daraus zu ziehen.

„Wie sieht eine gute Körperhaltung in einer Diskussion aus?“

Doria: Du hast jetzt mehrmals die Körpersprache angesprochen. Darf ich mal fragen, wie eine gute Körperhaltung in einer Diskussion aussieht?

Tamara: Ja, also wenn man die stehende Situation hat, dann auf jeden Fall ein gerader Rücken, sich aufrichten, die Brust raus. Super super wichtig ist es, seine Hände zu verwenden: gestikulieren. Es gibt ja verschiedene Arten der Mimik und Gestik. Du kannst taktgebende Mimik und Gestik verwenden. Sinnvoller ist es, die betonende Gestik zu verwenden. Dabei kannst du dann zum Beispiel, wenn du ausschweifende Bewegungen machst, ein großes Publikum ansprechen oder eine größere Menschengruppe ansprechen oder durch andere Arten der Bewegung das Gesagte nochmal untermalen. Dabei sind die Hände und Arme sehr wichtig, aber natürlich auch Blicke zu bestimmten Personen. Wenn du über sie redest, Blicke ins Publikum, wenn man vor einer größeren Menge von Menschen redet, aber auch im kleineren bei Streits immer die Person angucken, damit sie sich auch angesprochen fühlt.

„Kann man diskutieren lernen und wenn ja, wie fängt man am besten an?“

Doria: Wir hatten ja ganz am Anfang über Diskussionskultur in der Politik geredet und haben dabei festgestellt, dass es dort etwas kritisch abläuft. Kann man jetzt eigentlich diskutieren lernen und wenn ja, wie würde ich anfangen?

Tamara: Diskutieren kann man auf jeden Fall lernen. Ich würde hier natürlich sagen, dass die Teilnahme an Jugend debattiert oder an anderen Debattier AG`s die an der Schule angeboten werden sehr hilfreich sind diesbezüglich. Da lernt man alles was mit Körperhaltung, Körpersprache zu tun hat, aber auch deutliches sprechen, wie drücke ich mich am Besten aus, wie formuliere ich lange und kurze Reden, strukturierte Reden. All sowas, aber man kann sich dazu natürlich auch überall im Internet belesen und es ist vor allem wichtig, bei sich selbst anzufangen. Es bringt nichts zu versuchen die anderen zu ändern. Am besten ist es immer, wenn man selber einen guten Teil zu einer Debatte beitragen kann.

Doria: Danke Tamara für den mega guten Einblick. Ich fühle mich auf jeden Fall viel mehr bereit auf die nächste Diskussion die auf mich zukommt. Gibt es noch etwas, was du sagen möchtest?

Tamara: Erstmal möchte ich mich ganz herzlich für das Gespräch bedanken und vielleicht konnte ich ja den ein oder die andere dazu motivieren, jetzt auch mal mit jugend debattiert anzufangen oder sich intensiver in Diskussionen einzubringen.

Doria: Auf jeden Fall. Danke an euch fürs zuhören und wenn euch mehr zum Thema Medien und Politik interessiert, gibt es noch viele weitere Beiträge bei wtf. Bis dann!

Riesengrafik-Aktion Chemnitz

Riesengrafik-Aktion in Chemnitz

Wie ihr so richtig viel Aufmerksamkeit für eure Themen bekommt? Mit 100 bedruckten, beschriebenen und bemalten Platten. Schülerinnen und Schüler aus Chemnitz haben es ausprobiert.

Im Rahmen der Aktionstage für Netzpolitik und Demokratie haben Schülerinnen und Schüler des Karl-Schmidt-Rottluff-Gymnasiums in Chemnitz eine Riesengrafik ausgelegt. Schauplatz der Aktion war eine riesige Fläche vor der Stadtbibliothek. Wer am Nachmittag des 15. November in das Gebäude wollte, in dem unter anderem auch die Volkshochschule oder das BibLabC untergebracht sind, für den oder die gab es keinen Weg vorbei an den bunten Platten.

Hass verbreitet sich schneller als Grippe

Inhalte der Tafeln waren neben Quizfragen und Fakten rund im Hass im Netz, Fakenews, Cybermobbing und Forderungen an Politik und Gesellschaft, die die jungen Engagierten an diesem Tag in einem Workshop selbst recherchiert und zusammengetragen haben. Dabei haben sie sich mit den Themen Konsum, Aktivismus, sexuelle Grenzverletzungen im Netz, mentale Gesundheit und Fakes beschäftigt und in Worte und Bilder gefasst, was Politiker:innen, aber auch jede:r von uns tun kann, damit wir gerne und gesund online unterwegs sind.

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Wie kann ein gesundes Netz aussehen?

Quelle: jungagiert e.V.

So sahen einige der Tafeln im Detail aus. Klickt euch durch!

Quelle: jungagiert e.V.
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Quelle: jungagiert e.V.
Quelle: jungagiert e.V.
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Was sind die Aktionstage Netzpolitik und Demokratie?

Die Aktionstage Netzpolitik und Demokratie wollen Themen wie Drohnenkriege, Hate-Speech oder künstliche Intelligenz bundesweit in den Fokus der Öffentlichkeit rücken und politische Medienbildung fördern. Dazu fanden die Aktionstage 2022 bereits zum fünften Mal statt. Sie werden von den Landeszentralen für politische Bildung in ihren jeweiligen Bundesländern sowie der Bundeszentrale für politische Bildung koordiniert.

Gendern

Rebekka, 24

Gendern? Eine Argumentationshilfe

Gendern ist ein sensibles Thema. Manche fühlen sich davon gestresst, da sie nichts falsch machen wollen oder ihnen gegenderte Sprache mitunter etwas kompliziert vorkommt. Andere fragen sich, ob mit gendergerechter Sprache wirklich Gerechtigkeit erreicht werden kann. Viele Personen sind jedoch auch der Ansicht, dass Gendern eine gute Möglichkeit ist, um alle Menschen mit einzubeziehen und zur Gleichberechtigung beizutragen.

Unternehmen, wie zum Beispiel die Lufthansa oder die Deutsche Presse-Agentur (dpa), arbeiten an der Umsetzung von gendergerechter Sprache. Vom Rat für deutsche Rechtschreibung wurde der Genderstern allerdings bisher noch nicht in das Amtliche Regelwerk aufgenommen, da der Schreibwandel, der momentan passiert, nicht durch vorgegebene Regeln beeinflusst werden soll.

Da es so viele verschiedene Positionen und Möglichkeiten des Genderns gibt, findest du hier einige Tipps bei Argumenten, die häufig zum Thema Gendern genannt werden und dir vielleicht auch helfen können, die Debatte um das Gendern besser zu verstehen.

1. „Gendern führt nicht zu einer besseren Bezahlung von Frauen

Zuerst einmal geht es beim Gendern nicht nur um Frauen, sondern gerade auch darum, alle Menschen mit einzuschließen. Also beispielsweise auch diejenigen, die sich keinem Geschlecht zuordnen möchten. Außerdem würde geschlechtergerechte Sprache die Gleichberechtigung trotzdem weiter fördern, denn Studien (z.B. diese) haben gezeigt, dass Sprachen, die neutraler sind, dafür sorgen können, dass Menschen offener über Geschlechterrollen nachdenken.

2. „Man denkt beim generischen Maskulin (also der männlichen Bezeichnung) automatisch auch an Frauen. Frauen sind auch grammatikalisch immer mit gemeint.“

In der Sprachpraxis sind Frauen tatsächlich weniger mitgemeint, die männliche Form gilt also nicht unbedingt als Universalform, sondern meint auch wirklich Männer (dazu gab es zum Beispiel eine Studie von 2022). Sprache prägt das Denken und die Konstruktion der eigenen Wirklichkeit sehr stark. So ist es zum Beispiel auch mit der kindlichen Vorstellung von Berufen. Wenn also Berufe in der männlichen und weiblichen Form benannt werden, trauen sich Mädchen eher zu, auch „typisch männliche“ Berufe zu ergreifen (wie z.B. diese Studie zeigt). Auch wenn man also für sich selbst der Meinung ist, Frauen automatisch mitzudenken, kann es zum Beispiel für Kinder einen großen Unterschied machen. Ein interessantes Experiment hierzu, das du gerne auch mal ausprobieren kannst:

Vater und Sohn fahren im Auto. Sie haben einen schweren Unfall, bei dem der Vater sofort stirbt. Der Junge wird mit schweren Kopfverletzungen in ein Krankenhaus gebracht und soll dort sofort vom Chef-Chirurgen operiert werden. Die Operation wird vorbereitet, alles ist fertig, als der Chef-Chirurg erscheint, blass wird und sagt: „Ich kann nicht operieren, das ist mein Sohn!“. Frage: In welchem Verwandtschaftsverhältnis stehen der Chirurg und das Kind?“ Weißt du es? Ist es ein uneheliches Kind, eine Adoption?*

*Die Antwort ist: Der Chirurg ist die Mutter des Kindes, also eigentlich die Chirurgin. War das deine erste Assoziation?

3. „Gendern behindert den Lesefluss.

Das generische Maskulinum ist keine grammatikalische Notwendigkeit, für die es keine Alternativen gibt. Es ist also eher eine alte Gewohnheit des Sprachgebrauchs. Sprache verändert sich ständig und sollte somit der aktuellen Gesellschaft angepasst werden, in der Frauen gleichberechtigt sind. Sprachwandel kann im ersten Moment zwar unangenehm erscheinen, es kann aber durch häufigere Verwendung Gewöhnung einsetzen (Quelle). Es gibt außerdem zahlreiche Varianten, das Gendern umzusetzen und dabei kann man auch so geschickt vorgehen, dass es keine negativen ästhetischen Auswirkungen hat. Gendern kann die Präzision, also die Genauigkeit, von Texten erhöhen.

4. „Durch das Gendern wird das Geschlecht überbetont.

Es gibt noch keine Studien, die belegen, welchen Effekt das hat und somit auch nicht, ob das überhaupt einen negativen Effekt haben kann. Durch verschiedene Varianten des Genderns kann man das aber teilweise auch umgehen, indem man beispielsweise statt „Teilnehmer*innen“ das Wort „Teilnehmende“ verwendet. Allgemein kann es aber doch als etwas Positives gelten, wenn Frauen sichtbarer werden.

5. „Man fühlt sich bevormundet, weil einem das Gendern aufgezwungen wird.

Das Anwenden von gendergerechter Sprache muss nicht aufgezwungen werden und sofort auf alle Texte angewendet werden, sondern kann flexibel passieren und je nach Text und Textsorte variieren. Außerdem gibt es unterschiedliche Muster, nach denen man gendern kann. Unsere Sprache ist ja außerdem schon seit 1880 durch Rechtschreibregeln normiert, an die man sich ebenso anpasst.

Insgesamt ist das Gendern immer noch im Prozess, so wie unsere Sprache ja auch einem ständigen Wandel ausgesetzt ist. Natürlich kann man auch nicht annehmen, dass das Gendern allein ausreicht, um Gleichberechtigung herzustellen. Trotzdem ist die Gendersprache sehr vielfältig und kann positive Effekte haben.

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Quiz (Fakes und Co)

Was weißt du über Fakes und Co.?

0%

Welches ist keine ratsame Reaktion, wenn du eine Meldung für Fake News hältst?

Richtig! Falsch!

Wenn du Fake News siehst, solltest du die Verbreitung stoppen. Dies erreichst du, indem du sie nicht teilst, sondern meldest. Quelle

Welche der folgenen Personengruppen ist im Verhältnis am meisten von Hate Speech betroffen?

Richtig! Falsch!

Laut einer Umfrage des Europarates sind Lesben, Schwule, Bi-, Trans-, Intersexuelle und Queere (kurz: LGBTIQ) am meisten von Hasskommentaren betroffen. Aber auch Muslime und Frauen sind häufig Ziele von Hate Speech. Quelle

Welches politische Thema hat prozentual 2022 die meisten Freundschaften zerstört?

Richtig! Falsch!

27% der Befragten gaben an, dass unterschiedliche Meinungen zum Thema Ukraine-Krieg ihre Freundschaft zerstört haben. Bei Corona-Maßnahmen und Corona-Impfung waren es 20% und beim Klimawandel 18%. Quelle

Welche:r Politiker:in verbreitete die meisten Fake News?

Richtig! Falsch!

Laut einer Studie der Universität in Ithaca im Bundesstaat New York war Donald Trump in 37,9 % der gesamten „Fake-News“-Fälle während der andauernden Corona-Pandemie Auslöser oder Verbreiter der Falschmeldungen in den USA. Quelle

Gegen wie viele Tatbestände (z.B. Beleidigung, Bedrohung) von Cybermobbing kann man in Deutschland vorgehen?

Richtig! Falsch!

Gegen folgende Tatbestände kann gesetzlich vorgegangen werden: Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung, Nötigung, Bedrohung, Erpressung, Nachstellung/Stalking, Recht am eigenen Bild, Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes, Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen, Verletzung des Briefgeheimnisses und Ausspähen von Daten, Verbreitung pornografischer Schriften, Verbreitung von kinderpornografischen Schriften. Quelle

Wie viel Prozent der von Cybermobbing betroffenen Menschen vertrauen sich niemandem an?

Richtig! Falsch!

Etwa 15% der Befragten gaben an, dass sie sich niemandem anvertraut haben, als sie von Cybermobbing betroffen waren. Quelle

Welche Plattform animiert die meisten Nutzer:innen zu Käufen?

Richtig! Falsch!

5% der Internet-Nutzer:innen ab 16 Jahren gaben an, mehr als fünf mal im Jahr eine Dienstleistung in Anspruch oder ein Produkt gekauft zu haben, weil jemand auf Instagram dafür geworben hat. Bei YouTube waren es 3%. Quelle

Wie viel Prozent der Mädchen benutzen einen Filter für ihre Social Media Posts?

Richtig! Falsch!

Fast die Hälfte (49%) der Befragten sagten, dass sie schon einen Filter für ihre Instagram Beiträge benutzt haben. Quelle

Bei welchen Themen sind Social Bots am häufigsten festgestellt worden?

Richtig! Falsch!

Besonders bei politischen Themen werden häufig Social Bots gefunden. Quelle

Wie viele der von Cybermobbing betroffenen Personen leiden an den Folgen?

Richtig! Falsch!

Fast jede:r Dritte, der schon mal von Cybermobbing betroffen war leidet auch lange danach noch an den Folgen. Quelle

In wie viel Prozent der Fälle entscheidet der YouTube-Algorithmus, welches Video wir anklicken?

Richtig! Falsch!

Ein Algorithmus zeigt Nutzer:innen Inhalte an, die ihren Interessen entsprechen sollen. Auf YouTube entscheidet Schätzungen zufolge in 70% der Fälle ein solcher Algorithmus darüber, welche Videos angeklickt werden. Quelle

Wie viele Bots wurden während des US-Wahlkampfes 2016 auf Twitter entdeckt?

Richtig! Falsch!

Während des Wahlkampfes in den USA wurden rund 400 000 Bots auf Twitter entdeckt. Quelle

Wie viel Prozent der Social-Media-Nutzer:innen können Inhalte von Werbung unterscheiden?

Richtig! Falsch!

Nur ca. die Hälfte der Social-Media-Nutzer:innen können Werbung von normalen Beiträgen unterscheiden. Quelle

Welche App nutzen 85% aller Jugendlichen, um zu kommunizieren?

Richtig! Falsch!

85% der Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren nutzen WhatsApp täglich. Bei Instagram sind es nur 58%. Quelle

Was halten Jugendliche für das häufigste Thema bei Hatespeech?

Richtig! Falsch!

Aus Sicht der Jugendlichen richtet sich Hatespeech insbesondere gegen die Sexualität von Menschen und gegen das äußerliche Erscheinungsbild. Dabei nehmen die Jugendlichen einen deutlichen Einfluss von Hatespeech auf die Gesellschaft und auch auf das eigene Handeln wahr. Quelle

Was weißt du über Fakes und Co.?
Da geht noch was!
Du scheinst dich noch nicht so gut auszukennen. Informiere dich gerne auf unserer Seite über diese Themen.
Du kennst dich schon gut aus!
Das sieht doch schon gut aus. Du kennst ein paar Grundlegende Infos, aber es ist noch Luft nach oben. Schau dir unsere Seite gerne noch ein bisschen an, vielleicht kannst du dein Wissen ja noch erweitern.
Du bist ein Profi!
Sehr gut, du kennst dich schon sehr gut aus. Wenn du über das ein oder andere Thema noch mehr erfahren möchtest, dann schau gerne auf unserer Website weiter.

Quiz (Sprache)

Quelle: pexels-snapwire

Rebekka, 24

Was weißt du über „Sprache für alle“?

0%

Welcher dieser Begriffe ist nicht geschlechtsneutral formuliert?

Richtig! Falsch!

Es gibt verschiedene Arten, Begriffe geschlechtsneutral zu formulieren. Wie du hier siehst, kann man das entweder durch Satzzeichen wie : realisieren, oder durch Ausformulierungen. Man kann ebenso Begriffe wie „Teilnehmende“ verwenden, die auch Personen miteinbeziehen, die sich keinem binären Geschlecht zuordnen wollen. Ziel des Genderns ist, dass sich alle eingeschlossen fühlen und somit wäre es in diesem Sinne nicht gegendert, zum Beispiel nur weibliche Unternehmerinnen anzusprechen. Hier gibt es auch Glossare, in denen man nachschauen kann, wie man etwas gendern kann, zum Beispiel hier (https://geschicktgendern.de/).

Was bedeutet "cis"?

Richtig! Falsch!

Cis-männlich bedeutet, dass einer Person bei der Geburt beispielsweise das Geschlecht „männlich“ zugewiesen wurde und sie sich auch damit identifiziert. Die Person identifiziert sich also mit dem Geschlecht, das ihr bei der Geburt zugewiesen wurde. Es gibt auch cis-weibliche Personen.

Was sind FLINTA?

Richtig! Falsch!

Der Begriff FLINTA* steht für Frauen, Lesben, intersexuelle Personen, Nicht-Binäre Personen, Transsexuelle Personen und Agender (Personen, die sich keinem Geschlecht zuordnen). Zum Unterschied zwischen agender und non-binär: Manche Menschen bezeichnen sich als „agender“ bezeichnen, weil sie sich gar keinem Geschlecht zugehörig fühlen, während die Bezeichnung „non-binary“ darauf hindeutet, dass sich eine Person nicht mit den herkömmlichen, also binären Geschlechterkategorien identifiziert.

Was bedeutet "queer"?

Richtig! Falsch!

Queer ist ein Sammelbegriff für Personen, die in ihrer geschlechtlichen Identität und/oder sexuellen Orientierung nicht der heterosexuellen cis-geschlechtlichen (also zwei-geschlechtlichen) Norm entsprechen. Personen, die sich als queer bezeichnen, können sich also zum Beispiel als männlich identifizieren, aber in ihrer Sexualität von der heterosexuellen Norm abweichen. Auch hier gibt es verschiedene Ausprägungen. Insgesamt ist queer heute aber ein Begriff für die gesamte queere Community, der positiv verwendet wird. Trotzdem kann jede Person für sich selbst entscheiden, welche Bezeichnung sie für sich selbst wählen möchte (also z.B. schwul statt queer).

Was bedeutet "Rassismus"?

Richtig! Falsch!

Rassismus bedeutet die Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihrer Sprache oder ähnlichem. Auch heute gibt es immer noch alltäglichen Rassismus, beispielsweise wenn jemand nicht in einen Club gelassen wird, weil er oder sie „ausländisch“ aussieht.

Was ist Ableismus?

Richtig! Falsch!

Ableismus meint die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung. Menschen werden also auf die Eigenschaft, eine physische oder psychische Behinderung zu haben, reduziert. Das kann im Alltag zu Grenzüberschreitungen oder Benachteiligung führen, zum Beispiel wenn einer behinderten Person automatische eine niedrigere Intelligenz zugeschrieben wird.

Welches dieser Beispiele ist ableistische Sprache?

Richtig! Falsch!

Bei sensibler Sprache im Hinblick auf Behinderungen kann man darauf achten, möglichst keine Ausdrücke zu verwenden, die sich darauf konzentrieren, was eine Person nicht kann. Stattdessen kann man sich fragen, wie es von der Person wahrgenommen wird wenn man zum Beispiel „an den Rollstuhl gefesselt“ sagt und kann so versuchen, seine Äußerungen nicht darauf zu richten, was „anders“ an der Person ist. Man kann hier zum Beispiel auch einmal darüber nachdenken, ob man denn das Wort „behindert“ wirklich als Schimpfwort benutzen sollte, wie man es manchmal hört.

Was bedeutet „Barrierefreiheit“?

Richtig! Falsch!

Barrierefreiheit bedeutet, Orte, Veranstaltungen oder auch Medien so zu gestalten, dass sie für alle zugänglich sind. Dies hilft allen, nicht nur Menschen mit Behinderung. Barrierefrei meint zum Beispiel auch, Texte in Leichter Sprache zur Verfügung zu stellen, sodass alle Menschen sie verstehen können. Es bedeutet aber auch, Orte zugänglich zu machen (zum Beispiel durch einen Aufzug) oder Gebärdendolmetscher:innen bei einem Vortrag zur Verfügung zu stellen, damit auch gehörlose Menschen teilnehmen können. Das Schalten von Untertiteln bei Instagram-Reels wäre zum Beispiel auch ein Teil von Barrierefreiheit.

Was sind PoC?

Richtig! Falsch!

People of Color oder Menschen of Color ist eine Selbstbezeichnung von und für Menschen, die häufig Rassismuserfahrungen machen müssen. Es ist wichtig, für People of Color zum Beispiel nicht den Begriff „farbig“ zu verwenden, da dieser mit dem Kolonialismus verbunden wird und von vielen Personen dieser Gruppe abgelehnt wird. Die Bezeichnung PoC ist darum eine Alternative.

Sollte man den Begriff „Indianer“ verwenden?

Richtig! Falsch!

Der Begriff „Indianer“ ist eine Fremdbezeichnung, den sich diese Völker nicht selbst gegeben haben. Außerdem ist er mit einer Geschichte der Ausrottung und Unterdrückung verbunden. Mit dem Verkleiden eines Indianerkostüms beispielsweise verstärkt man bestehende Rassismen und kann diese Stereotype ins Lächerliche ziehen. Eine bessere Bezeichnung wäre also zum Beispiel „Indigene“, „Native Americans“ oder „indigene Volksgruppen“, weil die Ureinwohner Amerikas tatsächlich auch aus vielen verschiedenen Gruppen bestehen.

Der Begriff „Rasse“ wird heutzutage von rechten Gruppen eher nicht mehr verwendet. Welche Begriffe verwenden sie stattdessen?

Richtig! Falsch!

Früher gab es den sogenannten „Hautfarbenrassismus“, bei dem „Rassen“ aufgrund ihrer unterschiedlichen Hautfarben unterschieden wurde. Heutzutage wird von der Neuen Rechten oft mit verschiedenen „Kulturen“ argumentiert, die ihrer Meinung nach nicht zusammenpassen.

Was bedeutet es, wenn sich eine Person mit ihren Pronomen vorstellt, zum Beispiel mit „she/her“?

Richtig! Falsch!

Viele Menschen schreiben heutzutage ihre Pronomen zum Beispiel in ihr Instagram-Profil. Das heißt aber nicht, dass sie sofort auch deine Pronomen wissen müssen oder dass sie sich als nicht-binär (non-binary) identifizieren, also als keinem Geschlecht zugehörig fühlen. Die Nennung der eigenen Pronomen vereinfacht die Ansprache und schafft Klarheit, man weiß gleich, wie die andere Person angesprochen werden möchte.

Was weißt du zu Sprache für alle?
Da ist noch Luft nach oben! Informiere dich gerne auf unserer Seite zum Thema gendern und Sprache.
Das sieht doch schon gut aus! Du hast eine gute Grundlage, aber kannst dich noch verbessern.
Du bist ein Profi! Du kennst dich schon richtig gut mit gendern und Sprache für alle.

Ehrenamt

Ehrensache? Jetzt mitmachen!

Jedes Jahr am 15. Dezember ist Tag des Ehrenamtes in Deutschland. Ehrenamtlich tätig sind Personen oder Gruppen, welche uneigennützig und für das Wohl von anderen arbeiten.

In Sachsen sind etwa ein Drittel der Bevölkerung in einem Ehrenamt tätig. Diese organisieren zum Beispiel Veranstaltungen, verteilen Essen an bedürftige Menschen oder helfen im Tierheim aus. Gemeinnützige Organisationen haben meist nicht viel Geld zur Verfügung und finanzieren sich durch Mitgliedsbeiträge.

Lust auf Engagement?

Wenn ihr Lust habt, euch selbst ehrenamtlich zu engagieren, dann schaut auf www.ehrenamt-sachsen.de vorbei oder auf www.deutsches-ehrenamt.de , wenn ihr selber einen Verein gründen wollt.

Wenn ihr mehr zu dem Thema erfahren wollt, schaut euch gerne dieses Video aus unserem wtf-Archiv an:

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Aktivismus

Dein erster Protest? Los geht’s!

In deinem Ort gibt es etwas, das dich so richtig stört – aber du kannst eh nichts machen? Falsch! Ein paar Tipps, wie du dich gesellschaftlich einbringen kannst – Demonstrieren ist nur eine der Möglichkeiten.

Schwimmbad-Schließung? Nicht mit uns!

In deinem Ort soll das Schwimmbad dichtgemacht werden, dabei verbringst du im Sommer fast jeden Tag mit deinen Freund:innen dort? Ein anderes Schwimmbad oder einen See gibt es nicht in der Nähe. Als Bürger:in der Gemeinde hast du ein Recht darauf, deine Meinung hier einzubringen und für die Erhaltung des Schwimmbads zu kämpfen. Erste Empfehlung: Such dir Mitstreiter:innen und schaffe Aufmerksamkeit!

Sich allein für ein Anliegen einzusetzen ist zwar möglich – macht die Sache aber schwieriger. Je mehr Leute sich einsetzen, desto sichtbarer wird das Anliegen. Du kannst dein Anliegen auch in den Sozialen Netzwerken streuen und so bekannter machen.

Organisiert euch!

Du hast ein Ziel und du hast Leute? Es gibt drei Möglichkeiten, wie ihr euch organisieren könnt, um für den Erhalt des Schwimmbads zu kämpfen:

Schließt euch einer bestehenden Gruppe an, z.B. dem Sportverein oder Jugendverband. Mit deren Unterstützung ist der Einsatz für euer Schwimmbad bestimmt leichter. Ihr könnt auch in der Schule fragen. Sicher findet ihr Menschen, die euch unterstützen möchten.

Ihr könnt natürlich auch eine eigene Gruppe bilden. Initiativen eignen sich vor allem für kurzfristige Anliegen. Hier können sich weitere Menschen anschließen, die das gleiche Ziel haben. Ihr könnt über Flyer, die Lokalzeitung oder Soziale Netzwerke für eure Initiative werben – je mehr Unterstützer:innen, desto besser.

Eine Vereinsgründung lohnt sich oft erst bei längerfristigen Vorhaben, zum Beispiel wenn sich die Diskussion schon mehrere Jahre hinzieht. Durch die Gründung eines Vereins könnt ihr eurer Forderung Nachdruck verleihen. Auch für größere Projekte ist ein Verein sinnvoll – solltet ihr zum Beispiel planen, das Schwimmbad künftig als Verein selbst zu betreiben. Es gibt aber einiges zu beachten! – So braucht ihr für euren Verein mindestens sieben Mitglieder und eine Satzung.

Starte eine Aktion

Ihr habt euch organisiert? Perfekt! Dann könnt ihr jetzt Aktionen starten: Malt Plakate und hängt sie überall da auf, wo sie gut sichtbar sind.

Sammelt Unterschriften gegen die Schließung des Schwimmbads! Fragt eure Eltern, Nachbar:innen und Bekannten, ob sie gegen die Schließung unterschreiben wollen. Wenn ihr mutig seid, stellt ihr euch an einen zentralen Platz und sprecht dort Menschen an. Die Unterschriftenliste übergebt ihr dann den Politker:innen in eurem Ort, also z.B. Bürgermeister:innen.

Gehör durch Demonstrationen schaffen

Es ist auch euer Recht, eine friedliche Demonstration zu organisieren. Diese müsst ihr spätestens 48 Stunden vor Beginn beim Ordnungsamt eurer Gemeinde anmelden.

Tipp: Fragt rechtzeitig vorher im Rathaus nach, dort wird man euch sagen, was genau zu tun ist. Zur Demo selbst könnt ihr auch der Presse Bescheid geben – dann wird euer Anliegen vielleicht noch bekannter.

Verschwörungsmythen

„Menschen sind misstrauisch!“

Thomas Grüter ist Arzt und Buchautor und beschäftigt sich seit Jahren mit Verschwörungsmythen, unter anderem auch auf seinem Blog. Er fragte sich: Warum glauben Menschen felsenfest an die absurdesten Dinge?

Was ist eine Verschwörungstheorie, oder ein Verschwörungsmythos?
Thomas Grüter: Die Überzeugung, man sei Opfer dunkler Machenschaften. Die Kolleg:innen reden hinter meinem Rücken, schlecht über mich, die Schiedsrichter:innen benachteiligen systematisch meinen Fußballverein, oder eine Geheimgesellschaft begeht Verbrechen, um die Weltherrschaft zu übernehmen.

Quelle: Fotolia /© Daniel
Thomas Grüter (privat)

Wie viele Menschen glauben an Verschwörungstheorien?
Thomas Grüter: Erstaunlich viele. Wenn ich lange genug frage, glaubt die Mehrzahl der Menschen an große oder kleine Verschwörungen. (Anmerkung der Redaktion: Einer Studie von YouGov zufolge haben etwa 29% haben schon mal an Verschwörungstheorien geglaubt , 2020, Quelle).

Gibt es eine Zutatenliste für einen erfolgreichen Verschwörungsmythos?
Thomas Grüter: Fast alle Verschwörungstheorien haben einige Gemeinsamkeiten: Eine Verschwörung richtet sich gegen mich oder meine Gruppe. Dann gibt es die Bösen, die sich heimlich absprechen, um mir oder meinen Leuten zu schaden. Ihr übles Wirken erklärt dumme Zufälle oder Rückschläge, wie sie jedem Menschen immer wieder zustoßen. Tatsächlich aber steht ein verborgener Plan der Feind:innen dahinter, eine Verschwörung eben.

Menschen glauben lieber an Sabotage.

Warum glauben Menschen an Verschwörungstheorien?
Thomas Grüter: Wenn irgendwas schiefgeht, glauben Menschen lieber an Sabotage, als eigene Dummheit zuzugeben. So ein Verdacht ist leicht zu wecken, denn Menschen sind von Natur aus misstrauisch gegen andere Gruppen. Hört einfach zu, wie Fußballfans verschiedener Clubs übereinander reden – als wären die jeweils anderen grünhäutige Monster.

Wie beeinflussen Verschwörungstheorien unser Zusammenleben?
Thomas Grüter: Verschwörungstheorien zeigen – und vertiefen – die Bruchlinien in einer Gesellschaft. Ein Beispiel: Donald Trump behauptet nach wie vor, seine Gegner:innen hätten die Präsidentenwahl massiv und systematisch zu seinen Ungunsten verfälscht. Die Mehrzahl seiner Anhänger:innen glaubt ihm – obwohl es keinerlei Belege dafür gibt. Das zeigt, wie tief die Gräben zwischen den Parteien in den USA sind.

Sexismus im Gaming

Gaming Girls

xMeowlinax – erste ihres Namens, Mutter aller Katzen, Herrin der Verpeiltheit und Behüterin der Shiba Inus – so steht es auf dem Twitch Kanal der Dresdner Gamerin geschrieben.  Welche Erfahrungen hat sie zum Thema Sexismus in Games gemacht?

Bis zu viermal wöchentlich macht die 27-Jährige auf Twitch Backstreams, Creativestreams oder Streams in denen Marie, mit bürgerlichem Namen, einfach das spielt, was ihr gerade Spaß macht.

Rollenbilder im Gaming

Mehr als 34 Millionen Menschen in Deutschland spielen regelmäßig und tauchen in märchenhafte Pixelwelten ein. Dabei ist von ca. 16,5 Millionen Frauen die Rede. Egal ob realistisch, abstrakt oder minimalistisch: Gaming ist mehr als Zocken und stumpfes Ballern. Zur öffentlichen Diskussion über Rollenbilder in Computerspielen zündete dabei besonders ein Spiel den Startschuss: Tomb Raider.

Das Gespräch

Der Medienwissenschaftler Dr. Benjamin Bigl traf die Dresdner Gamerin, die sich seit Jahren für einen fairen und respektvollen Umgang in der Gaming-Community einsetzt. Sie berichtet von ihren Erfahrungen, Kuriositäten und nicht akzeptablen Szenen, die sie als spielende Frau erlebt hat.

Frauen als die schwächeren Spielcharaktere?

Besonders in Shooter-, aber auch in anderen Spielen sind weibliche Spielfiguren oft mit weniger Waffen ausgerüstet. Dazu kommt, dass das Sammeln von sogenannten „Skills“ bei Frauencharakteren oft langsamer erfolgt als bei Männercharakteren. Der Schein, dass Frauen somit schwächer als Männer dargestellt werden, trügt also nicht – es ist kein Einzelfall. Die Gamerin nimmt es so wahr:

„Eine Frau ist nicht immer nur schwach. Sie kann sich auch durchsetzen.“

– xMeowlinax

Männertypische Spieleigenschaften

Ob die Gamerin glaubt, dass gewisse Spielmechaniken direkt und konkret unterschiedliche Geschlechter oder Rollen in Spielen ansprechen?

Sie glaubt, dass für männliche Spieler beispielsweise der Highscore eine viel größere Rolle spielt. Für sie sei das kein großer Ansporn. Sie selbst ist eher froh, wenn sie überhaupt etwas trifft. Allerdings gibt es auch Frauen in ihrem Streamerkreis, die einen hohen Highscore haben.

Ein Highscore ist der Punktestand, welcher nach einem Spieldurchgang erzielt wurde. Er kann aber auch die höchste Punktzahl beschreiben, welche in einem Spiel erreicht werden kann oder bereits durch Spieler:innen erreicht wurde. Highscores sind mittlerweile in allen möglichen Spielen vertreten und das kann natürlich enorm motivieren.

Direkte Erfahrungen mit Sexismus

xMeowlinax arbeitet Teilzeit in einem Gaming-Laden, in welchem Spiele aller Art verkauft werden. Dort kam es vor, dass sie auch mal nicht so schöne Erfahrungen mit Kund:innen gemacht hat. Wie reagiert die Gamerin darauf?

Es ist beispielweise schon passiert, dass ein männlicher Kunde die Beratung durch die erfahrene Gamerin ablehnte und sich lieber ein anderes Spiel aussuchte, als sich mit ihr über seine erste Wahl auszutauschen. Die Gamerin nimmt in solchen Situationen kein Blatt vor den Mund, aber bleibt jedoch stets höflich: „Wenn du nicht mit mir reden willst, ich hätte dir helfen können.“

Die Community der Gamerin

In Bezug auf ihre Online-Community, hat xMeowlinax direkt eine Antwort parat: „Meine Community besteht zu 80% aus Männern. […] aber ich habe da noch nie etwas Negatives erlebt.“

Dieser Beitrag umfasst bei weitem nicht alle Fragen und Antworten, die in dem Gespräch thematisiert wurden. Um noch mehr Spannendes über die Gamerin zu erfahren, kannst du es dir hier das Video aus dem wtf-Archiv anschauen:

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Deutschland GmbH

Deutschland GmbH?

Alles Angestellte oder was? Reichsbürger:innen sind felsenfest davon überzeugt, dass Deutschland kein souveräner Staat, sondern eine Firma ist. Wir haben uns mit dem Staatsrechtler Arno Scherzberg von der Universität Erfurt einige Behauptungen der Reichsbürger*innen genauer angesehen.

Behauptung Nummer 1:

Die Bundesrepublik Deutschland sei kein Staat,
sondern eine GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung).

Der angebliche Beweis: Es gibt eine Bundesrepublik DeutschlandFinanzagentur GmbH.

Ziemlicher Humbug, denn: Die Bundesrepublik ist ein Staat, und kein Unternehmen. Das steht klipp und klar in Artikel 20, Absatz 1 des Grundgesetzes: Die Bundesrepublik ist mitgliedschaftlich verfasst und daher organisationsrechtlich eine sogenannte Körperschaft des öffentlichen Rechts. Schauen wir noch einmal auf diese „Bundesrepublik Deutschland – Finanzagentur GmbH“. Das ist – richtig – eine Firma: und zwar eine, die dem Staat gehört. Das ist ganz normal. Denn natürlich darf die Bundesrepublik auch Unternehmen gründen und betreiben. Solche staatlichen Unternehmen gibt es einige. Die städtischen Energieversorger sind beispielsweise meist öffentliche Unternehmen.

Behauptung Nummer 2:

Wir seien alle nur Angestellte – deswegen heißt es „Personal“-Ausweis.

Sehr schräge Argumentation. Wer angestellt ist, müsste auch Geld verdienen – wir zahlen nur welches, nämlich Steuern. Der Personalausweis hat seinen Namen von den in ihm festgehaltenen Personalien, also Angaben zu Person. Wir müssen ihn dann vorlegen, wenn eine Behörde das verlangt, die dazu berichtigt ist, unsere Personalien zu prüfen.

Behauptung Nummer 3:

Deutschland befinde sich immer noch im Kriegszustand
mit den vier Siegermächten und sei immer noch besetzt.

Die vier Siegermächte sind die USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion. Mit denen stehen wir sicher nicht mehr im Kriegszustand, denn diese haben ja dem Zwei-plus-Vier-Vertrag zugestimmt, der die deutsche Wiedervereinigung möglich machte. Dort heißt es unter anderem in der Präambel, also in der Einleitung: „IN DEM BEWUSSTSEIN, dass ihre Völker seit 1945 miteinander in Frieden leben …“ und in Artikel 7: „Die Französische Republik, die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland und die Vereinigten Staaten von Amerika beenden hiermit ihre Rechte und Verantwortlichkeiten in Bezug auf Berlin und Deutschland als Ganzes.“ Damit ist das Besatzungsstatut (es regelte die Beziehung zwischen Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA) aufgehoben und die Bundesrepublik vollständig unabhängig.

Behauptung Nummer 4:

Das Grundgesetz sei keine Verfassung.

Was denn sonst? Es nennt sich nicht Verfassung, weil es als Provisorium, als Übergangslösung gedacht war, aber es hat alle Funktionen einer Verfassung: die Regelung der Grundsätze der Staatlichkeit, der Ausübung der Staatsgewalt und des Staat-Bürger-Verhältnisses. Auch die angeblich fehlende Volksabstimmung über das Grundgesetz ändert nichts an der Gültigkeit des Grundgesetzes – schließlich wurde es von den Parlamenten der Länder und damit den gewählten Vertreter:innen des Volkes verabschiedet.

Behauptung Nummer 5:

Wenn ich meine Staatsbürgerschaft einwandfrei beweisen möchte,
brauche ich angeblich einen sogenannten gelben Schein.

Diesen „gelben Schein“ gibt es wirklich: Nach § 30 Staatsangehörigkeitsgesetz wird die deutsche Staatsangehörigkeit auf Antrag von der Staatsangehörigkeitsbehörde festgestellt. Sie stellt dann einen Staatsangehörigkeitsausweis aus – den „gelben Schein“. Aber: Eine stinknormale Geburtsurkunde erfüllt denselben Zweck.